Der lebendige Gott der Eucharistie

von Daniel Meynen

Erster Teil  -  Trinitarisches Leben und eucharistische Kommunion

Französische Originalfassung, 1991 (Sehen Sie hier). Übersetzung, 1993 : Aloïs Bertha. Verlesung und Berichtigung, 1993 : Christophe Sobottka.

1. Gott ist der Herr : er herrscht über alles, was er in seiner Liebe geschaffen hat. Folglich muß sich die "gesamte Schöpfung" (Mk. 16,15) ihrem Schöpfer und Herrn "im Gehorsam des Glaubens" (Rö. 1,5) unterwerfen. Was also "das Brot Gottes" (Joh. 6,33) betrifft, "das lebendige Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist" (Joh. 6,51), das heißt die Eucharistie, so hat Jesus Christus seiner Kirche eine präzise Weisung erteilt : "Nehmet und esset... trinket alle davon..." (Mt. 26,26-27). Wir müssen also die Eucharistie als eine Speise und einen Trank ansehen, welche die Kirche ißt und trinkt ; anders ausgedrückt : Grundlage und Ausgangspunkt jeder Untersuchung über die Eucharistie muß eigentlich der lebenspendende Akt der sakramentalen Kommunion sein.

2. Unter allen Texten der heiligen Schrift, die von der eucharistischen Kommunion sprechen, ist sicherlich derjenige der expliziteste und wichtigste, der die communio Christi und der Kirche mit der communio des Vaters und des Sohnes in eine lebendige Einheit vergleicht : "Genau wie der Vater, der mich geschickt hat, lebendig ist, und so wie ich durch den Vater lebe, so wird auch derjenige durch mich leben, der mich zu sich nimmt" (Joh. 6,57). Folgendes ist aus den Worten der Heiligen Schrift abzuleiten :

3. Der erste Satzteil : "Genau wie der Vater, der mich geschickt hat, lebendig ist, und so wie ich durch den Vater lebe" drückt die lebendige Einheit des Vaters und des Sohnes aus, die ihre volle und gänzliche Verwirklichung in einer vom Vater und vom Sohn verschiedenen Person findet, das heißt in der Person des Heiligen Geistes, der aus dem Vater und dem Sohn entspringt. Die Liturgie sagt in der Tat, daß der Sohn "lebt und herrscht mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes". Im Text van Joh. 6,57 wird ein Vergleich ausgearbeitet, daher die Analogie zwischen den beiden Satzteilen : "So wie..., so..." Wir dürfen also sagen, daß der zweite Satzteil : "... so wird auch derjenige durch mich leben, der mich zu sich nimmt" die Einheit des Lebens Christi und der Kirche ausdrückt, die ihre volle und gänzliche Verwirklichung in einer von Christus und der Kirche verschiedenen Person findet, das heißt in der Person, die aus Christus und aus der Kirche entspringt. So wie Christus mystisch "das Haupt... der Kirche" (Kol. 1,18) genannt wird und so wie die Kirche ebenso mystisch "der Leib Christi" (1.Kor. 12,27) genannt wird, so darf die Person, die aus Christus und der Kirche entspringt, als die mystische Person Christi oder die mystische Einheit von Christi Haupt und Christi Leib bezeichnet werden. Schließlich können wir kraft der Analogie zwischen beiden Einheiten, die jeweils durch ein Satzglied der Bibelstelle von Joh. 6,57 ausgedrückt werden, sagen, daß die mystische Person Christi - zumindest in ihrem Bezug zum Leben - der Person des Heiligen Geistes ähnlich ist. Da nun die Person als solche individuell ist, setzt die Analogie oder Ähnlichkeit von zwei Personen immer eine "sponsale" oder eheliche Bindung voraus, die beide vereint : "So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch" (Mt. 19,6). Wir dürfen also folgern, daß die mystische Person Christi oder die Einheit Christi und der Kirche in der eucharistischen Kommunion die Braut des Heiligen Geistes ist, das heißt Maria, die Mutter Christi und der Kirche, Lebensvermittlerin zwischen dem Haupt Christi und dem Leib Christi.

4. In Joh. 6,57 sind die beiden Satzteile analog. Folglich können wir gleich welchen dieser Satzteile untersuchen und müssen wir logischerweise aus dem einen die gleichen Rückschlüsse ziehen wie aus dem anderen, obwohl sich jeweils Varianten ergeben können. Weil der erste Satzteil von Joh. 6,57 vom Leben Gottes selbst, der zweite vom Leben Gottes, das sich in der Kommunion mit-teilt, handelt, gebührt es sich, zunächst den ersten Teil als Prinzip und als Vorbereitung zur Untersuchung des zweiten zu analysieren. Wir werden also zu Beginn dieser Untersuchung Gott als das lebendige Wesen angehen, obwohl wir den Hauptakzent auf die Person des Heiligen Geistes legen, der den Vater und den Sohn in ihrem innersten Leben vereint.



Französische Originalfassung (Sehen Sie hier)

Daniel Meynen, un prêtre catholique à votre service.

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